Das Höllenfensterkleid Teil 2

Das Höllenfensterkleid gehört mit zu den bekanntesten und beliebtesten Kleidungsstücken des Mittelalters. Aus diesem Grund führen viele Online-Shops dieses Kleidungsstück mit in ihrem Sortiment. Doch ein Kauf ist nicht immer empfehlenswert. Selbst auf Märkten steigt die Anzahl der Darsteller, welche zumindest in groben Zügen auf eine glaubhafte Darstellung Wert legen. 

Das ärmellose Surcote kann, wie bereits erwähnt, zweifelsfrei dem 14. Jahrhundert zugeordnet werden. Die originalen Kleidungsstücke wurden vornehmlich vom Adel getragen. Ob sich auch reiche Bürger in die schmückenden Gewänder hüllten, ist zwar spekulativ, aber keineswegs abwegig. Das Material bestand häufig aus Seidenbrokat, welcher mit Seidentaft oder Pelz gefüttert war. Einfachere Varianten konnten auch aus Wolle bestehen. In der Regel war diese Art der Kleidung überlang, beim Gehen mussten die repräsentativen Überkleider gerafft werden. Körperliche Arbeit oder gar das stundenlange herumwandern im Freien war damit nicht möglich.

Das Höllenfensterkleid wurde als 3. Kleiderschicht getragen. Die 1. Lage bestand aus einem Leinenkleid, welches als Unterwäsche diente. Danach folgte die „Alltagsbekleidung“ aus Wolle. Erst die 3. Schicht war dazu ausgelegt, den Träger zu schützen oder zu schmücken. Trotz seiner Überlänge wurden das Surcote niemals mit einem Gürtel gebunden. Dieser wurde immer nur an der 2. Kleiderschicht getragen. Auch wenn es in der heutigen Zeit unpraktisch erscheinen mag, die Damen des Mittelalters mussten weder Handys, Geldbörsen oder Autoschlüssel mit sich herumtragen. Das wenige Hab und Gut welches sich am Gürtel befand, wurde nur selten benötigt.

Eine kleine Übersicht von mittelalterlichen Bildern und Figuren mit einem Höllenfensterkleid.

Fazit: Jeder darf sich so kleiden, wie er möchte. Dennoch wirkt es befremdlich, wenn ein Höllenfensterkleid direkt über der Unterwäsche (weißes Unterkleid aus Leinen oder Baumwolle) getragen wird. Mir selbst ist auch schon aufgefallen, dass der ein oder andere Shop diese Kleidung als Wikingerüberkleid verkauft. Gerade für Anfänger ist es schwierig, den richtigen Einstieg in das Hobby zu finden. Eine falsche Produktbeschreibung ist da leider wenig hilfreich. Ein Höllenfensterkleid war nicht aus Baumwolle, nicht aus Pannesamt und schon gar nicht aus Polyester.

Bienchen